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PKI ist nicht tot, sie wird nur falsch genutzt

PKI ist nicht tot, sie wird nur falsch genutzt

Die Public-Key-Infrastruktur (PKI) wurde schon als veraltet, kompliziert und sogar überholt bezeichnet. Dennoch bildet sie ganz unauffällig die Grundlage für einfach alles, von sicherer E-Mail über Geräteauthentifizierung bis hin zu verschlüsseltem Webdatenverkehr. 

Problem liegen nicht an der PKI selbst, sondern daran, wie Unternehmen sie falsch nutzen und auch missverstehen. Schon seit Jahrzehnten wird PKI wie eine einmalig einzurichtende Sicherheitsmaßnahme behandelt, anstatt wie das lebendige Ökosystem, das sie eigentlich ist. 

Im Jahr 2025 haben sich digitale Identitätsbedrohungen schneller entwickelt als Compliance-Rahmenwerke. Daher ist die PKI relevanter denn je. Der Unterschied zwischen Unternehmen, die sie richtig einsetzen, und solchen, die das nicht schaffen, liegt oft in der jeweiligen Denkweise: Denn die PKI ist nicht tot, sie wird aber oft vernachlässigt.

Das Reputationsproblem der PKI hat nichts mit der Technologie zu tun

Wenn behauptet wird, die PKI sei veraltet, heißt das eigentlich gewöhnlich, dass ihre Implementierung veraltet ist. Die kryptografische Grundlage der PKI ist nach wie vor solide und bringt Unternehmen viele Vorteile. Ein Grund ist, dass sie auf asymmetrischer Verschlüsselung basiert, die auch heute noch TLS, VPNs und digitale Signaturen unterstützt. 

Das Problem der Vernachlässigung entsteht, wenn sie wie ein „Set-and-Forget“-Tool betrachtet wird, anstatt wie ein System, das eine regelmäßige Verwaltung erfordert. Zertifikate laufen ab und es gibt immer mehr Geräte und Anmeldedaten – aber trotzdem arbeiten viele Unternehmen so, als hätte sich seit den 2000er Jahren nichts geändert.

Und noch schlimmer: Die PKI wird schon lange isoliert in IT-Abteilungen behandelt. Dort wird sie aber eher als Ärgernis und weniger als möglicher strategische Vorteil wahrgenommen. Denn wenn Zertifikatslebenszyklen manuell verwaltet werden, sind Fehler unvermeidlich. Dadurch kommt es beispielsweise zu größeren Ausfällen aufgrund abgelaufener SSL-Zertifikate auf milliardenschweren Plattformen. Die PKI versagt also nicht, weil sie fehlerhaft ist, sondern weil sie ignoriert wird.

Grundsätzlich macht dieselbe Flexibilität, die PKI komplex macht, sie auch leistungsstark. Sie kann alles authentifizieren, sei es eine Smartwatch oder ein industrieller Sensor. Das gilt jedoch nur, wenn sie aktiv gewartet, automatisiert und in umfassendere Identitätsstrategien eingebunden wird. Die Anhänger der These „PKI ist tot“ haben ihren eigenen Ansatz oft einfach nicht weiterentwickelt.

Die moderne PKI-Landschaft hat ihr altes Image hinter sich gelassen

Die moderne PKI ist nicht mehr dasselbe Monster, das vor zwanzig Jahren die E-Mail-Verschlüsselung bewacht hat und jetzt nur mit etwas Cloud-Automatisierung verziert wurde. Der Aufstieg des IoT, von Zero-Trust-Architekturen und Cloud-nativen Infrastrukturen hat die Möglichkeiten und Aufgaben von PKI neu definiert. Zertifikate dienen nur nicht mehr nur dazu, die Legitimität von Websites zu bestätigen, sondern sie sind Identitätsanker für Milliarden von Geräten und Microservices, die automatisch und autonom kommunizieren.

Stellen Sie sich moderne PKI als eine Struktur für digitales Vertrauen vor, in der jede Einheit Ihres Ökosystems (Mensch oder Maschine) eine verifizierte Identität benötigt. Die Rolle der PKI in dieser Struktur besteht darin, in großem Maßstab für Sicherheit zu sorgen. Dennoch verlassen sich noch immer zu viele Unternehmen auf veraltete lokale Zertifizierungsstellen, die allerdings mit den heutigen Zertifikatsmengen und Erneuerungszyklen nicht mithalten können.

Cloud-basierte PKI, automatisierte Ausstellung und API-gesteuerte Verwaltung verändern die Landschaft. Mithilfe dieser Verfahren können Unternehmen Vertrauen auf dynamische Weise skalieren, und das ohne die üblichen administrativen Engpässe. Der Übergang von einer statischen zu einer adaptiven PKI ist der einzige Weg, um in einer hypervernetzten Welt zu bestehen, in der Geräte nun die Perimeter darstellen.

Wodurch PKI scheitert: Durch Personen, nicht durch Protokolle

Die meisten PKI-Fehler entstehen durch menschliches Versagen, nicht durch Schwächen in der Kryptografie. Fehlkonfigurationen, abgelaufene Zertifikate, mangelhafte Schlüsselverwaltung – all dies sind Symptome von Problemen im Gesamtprozess, aber keine technologischen Mängel. PKI funktioniert perfekt, sofern sie richtig verwaltet wird. Aber sie versagt auf spektakuläre Weise, wenn sie wie ein Hintergrunddienst behandelt wird, für den niemand zuständig ist.

In zu vielen Unternehmen hängt die Zertifikatsverwaltung immer noch von Tabellenkalkulationen oder fragmentierten Tools ab, die in verschiedenen Abteilungen genutzt werden. Die Sicherheitsteams haben häufig nicht einmal einen Einblick in alle vorhandenen ausgestellten Zertifikate. Das führt dann zu blinden Flecken, die von Angreifern ausgenutzt werden können. 

Noch schlimmer ist es, dass Entwickler manchmal aus Bequemlichkeit Anmeldedaten fest in Anwendungen einprogrammieren – und damit genau die Sicherheit untergraben, die PKI eigentlich gewährleisten soll.

Eine effektive PKI ist nur mit Eigenverantwortung und Automatisierung möglich. Dabei sollten kontinuierliche Überwachung, kurze Zertifikatslebenszyklen und Richtliniendurchsetzung die Norm sein, nicht die Ausnahme. Wenn Unternehmen die manuelle Verwaltung hinter sich lassen und PKI in ihre CI/CD-Pipelines integrieren, funktioniert das System endlich wie vorgesehen – nahtlos, unauffällig und zuverlässig.

Automatisierung und Cloud-PKI: Die Auferstehung

Wenn es für die PKI einen Moment der Wiedergeburt gab, dann war es die Einführung der Automatisierung. Cloud-native PKI-Plattformen bieten seitdem eine schnelle Zertifikatsausstellung, richtlinienbasierte Verlängerungen und eine vollständige API-Integration. All diese Merkmale machen sie für groß angelegte Bereitstellungen praktisch nutzbar. 

Die Automatisierung beseitigt die Reibungsstellen, durch die herkömmliche PKI-Systeme oft schwer überschaubar waren. Zudem stellt sie sicher, dass alle Zertifikate ohne ständige manuelle Eingriffe konform und auf dem neuesten Stand bleiben.

Die automatisierte PKI unterstützt außerdem das Zero-Trust-Modell, bei dem jedes Gerät und jeder Benutzer seine Identität regelmäßig überprüfen muss. Sie sorgt für einen kryptografischen Nachweis, der stärker ist als Passwörter, Tokens oder gemeinsame Geheimnisse. Dadurch passt dieser Ansatz perfekt zu der verteilten und dynamischen Natur moderner Netzwerke.

Die wahre Stärke der Cloud-PKI liegt in ihrer Skalierbarkeit. Ob Bereitstellung von Zertifikaten für Millionen von IoT-Sensoren oder die Sicherung kurzlebiger Cloud-Workloads – Automatisierung ermöglicht die Orchestrierung von Vertrauen. Anstatt dass PKI zu einem Problem für die IT wird, wird sie zur unsichtbaren und stets belastbaren Grundlage für digitales Vertrauen.

Die IoT-Explosion und die neuen Grenzen der PKI

Kein Sicherheitsrahmenwerk wurde durch das Internet der Dinge (IoT) stärker herausgefordert als die PKI. Milliarden vernetzter Geräte, von intelligenten Thermostaten bis hin zu Industrierobotern, benötigen neben eindeutigen Identitäten auch eine verschlüsselte Kommunikation. Herkömmliche Sicherheitsmodelle sind für diese Größenordnung nicht länger geeignet. Die PKI hingegen schon, sofern sie auf dem aktuellen Stand der Technik gehalten wird.

Hersteller und Betreiber erkennen immer mehr, dass das Vorladen von Zertifikaten auf Werksebene oder die Automatisierung der Registrierung über cloudbasierte Zertifizierungsstellen den Zertifizierungsprozess erheblich vereinfacht. Jedes Gerät wird dadurch zu einem überprüfbaren Knotenpunkt in einem vertrauenswürdigen Netzwerk, der gegenseitige Authentifizierung sowie sichere Firmware-Updates ermöglicht. Ohne PKI würde die IoT-Sicherheit unter der Last schwacher Anmeldedaten und nicht verifizierter Endpunkte zusammenbrechen.

Die Lösung liegt also darin, PKI flexibel und skalierbar zu gestalten. Durch leichte Kryptografie, hardwarebasierte Schlüsselspeicherung und Automatisierung des Lebenszyklus lassen sich auch umfangreiche IoT-Ökosysteme sichern, ohne dass ihre Leistung beeinträchtigt wird. Das PKI-Konzept ist also keineswegs überholt, sondern es ist das Rückgrat des vernetzten Vertrauens.

Damit PKI wieder für Sie funktioniert

Um wieder von der PKI profitieren zu können, dürfen Unternehmen sie nicht weiterhin als Nebensache behandeln, sondern als strategische Vertrauensbasis. Das umfasst die Automatisierung aller Schritte, von der Ausstellung bis zur Verlängerung, und schließlich die Integration in DevOps-Workflows. Transparenz ist entscheidend: Sämtliche Zertifikate, Schlüssel und Richtlinien sollten von einer einzigen Quelle aus verfolgt und verwaltet werden.

Aber auch Aufklärungsarbeit spielt eine Rolle. Teams müssen verstehen, dass PKI nicht nur für die Verschlüsselung gedacht ist, sondern auch für Identitätsmanagement, Zugriffskontrolle und Compliance genutzt werden kann. Angesichts neuer Vorschriften, die einen Nachweis der Authentizität und Datenintegrität verlangen, bietet PKI eine integrierte Überprüfbarkeit, die auf andere Weise kaum umsetzbar ist.

Letztendlich hängt das Überleben von PKI davon ab, dass sie aktuell gehalten wird. Nutzen Sie kurzlebige Zertifikate sowie Automatisierungsplattformen und verwenden Sie PKI als Bindeglied für digitale Identitäten. Wenn PKI als lebendiges System und nicht als Relikt betrachtet wird, kann sie gedeihen, anstatt nur zu überleben.

Fazit

PKI war nie tot, sondern lediglich das Opfer menschlicher Nachlässigkeit und technologischer Trägheit. Da Unternehmen vermehrt Zero Trust, Cloud-First-Infrastrukturen und IoT-Skalierbarkeit nutzen, erlebt die PKI als ultimativer Vertrauensanker ein leises Comeback. 

Der Unterschied zwischen Scheitern und Widerstandsfähigkeit liegt nicht in der Technik, sondern in der Denkweise. Nur wenn Sie PKI wie ein System behandeln, das Sie nach der einmaligen Einrichtung vergessen können, wird sie scheitern. Aber mit Automatisierung, Transparenz und Sorgfalt wird sie alles sichern, was Sie in den kommenden Jahrzehnten aufbauen. PKI ist nicht tot: Sie wartet nur darauf, dass Sie sie richtig nutzen.


Anmerkung: Dieser Blog Artikel wurde von einem Gastautor geschrieben, um unseren Lesern eine breitere Vielfalt an Inhalten anzubieten. Die in diesem Gastautorenartikel ausgedrückten Meinungen sind nur die des Autors bzw. der Autorin und geben nicht unbedingt die von GlobalSign wieder. 

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